DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR PSYCHOHISTORISCHE FORSCHUNG (DGPF)

28. Jahrestagung

 

„ENTWURZELUNG BINDUNG TRANSFORMATION …“

Introspektiven und Perspektiven für ein humanes 21. Jahrhundert

 

04. – 06. April 2014 in St. Peter-Ording



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"Der Traum ist aus - aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird." (Rio Reiser / R.P.S. Lanrue)

Der Historiker Eric Hobsbawm prägte den Begriff vom "langen 19. Jahrhundert", das er als Epoche von 1789 bis 1914 beschrieb. Eine ähnliche Betrachtung könnte über "das lange 20. Jahrhundert" angestellt werden, dessen Nachwirkungen bis in die ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts reichen. Unsere Krisen haben ihre Mitursachen in der Kriegs-, Gewalt- und Machtgeschichte des ausklingenden oder immer noch mitklingenden letzten Jahrhunderts. Aus der Sicht der Menschen, die Bewohner und Getriebene, Opfer und Täter dieser unabgeschlossenen Epoche waren und sind, ist mit gutem Sinn von Erfahrungen der Entwurzelung und Bindung zu reden.

Entwurzelung ist, was wir empathisch mit uns selbst und mit anderen wahrnehmen und verstehen müssen: als Ergebnis von Kriegswirklichkeiten, als Ergebnis von tiefgreifenden ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen, als Ergebnis politischer und kolonialistischer Gewalt und ökologischer Katastrophen, als Ergebnis technokratischer Umwälzungen und der Verfälschung und Zerrüttung von Kommunikation, kulturellen Traditionen, künstlerischer Kreativität.

Bindung meint zunächst die Kernrealität alles Menschlichen und damit alles Psychohistorischen: Bezogensein, das Angewiesensein auf die Mitmenschen, „lebendige Wechselseitigkeit“ (E.H. Erikson) als grundlegende und ideale Wirklichkeit persönlichen und sozialen Menschseins. Dann aber sind damit auch alle belasteten und verletzenden Formen von Bindung, Sozialem, Kollektivem und Geschichtlichem genannt, beginnend in der Erfahrungswelt des pränatalen Bezogenseins, über unheilvolle Formen der Eltern-Kind-Beziehung bis zur Ebene ökonomischer Gestaltungen und Verträge und massenpsychologischer Dynamiken.

Auf der bald 14 Jahre breiten Schwelle des 21. Jahrhunderts stehend, müssen wir Wurzeln schlagen und neue Bindungen eingehen, inzwischen unleugbar im Rahmen der globalisierten Menschheit. Es reicht nicht mehr, die Krisen zu analysieren und zu beschwören - es muss eine Sprache der Transformation, der Veränderung, die einen entscheidenden, substantiellen Unterschied macht, gefunden werden. Mit welchem Ziel und nach Maßgabe welcher Kriterien?

Psychohistorie in unserem Verständnis stellt Empathie in den Mittelpunkt: das Einfühlen und Mitfühlen in Bezug auf andere. Empathie in diesem Sinne ist nicht teilbar, sie gilt allen Menschen. Ziel wünschenswerter Transformation für das 21. Jahrhundert ist in diesem Sinne die Bewahrung und Wiederherstellung der Würde Aller.

Eine solche alle Menschen in ihrer Würde einbeziehende Sprachform hieß früher - vor seiner Totsagung vor 35 Jahren (Lyotard 1979) - eine "Große Erzählung".

Wir wollen diese Tagung auch dem gemeinsamen Finden (im interdisziplinären Gespräch) von Elementen, Sätzen, Absätzen, vielleicht eines Teilkapitels einer neuen "Großen Erzählung" widmen, auf der Grundlage des Verstehens alter und aktueller Entwurzelungen, belastender und tragfähiger Bindungen und mit dem Blick für wünschenswerte Ziele und realistische Schritte notwendiger und möglicher Transformationen.

 

 

Programm: Freitag, 04. April 2014 (Evangelisches Gemeindehaus)

16.00 Bernd Nielsen

Begrüßung
Einführung: Eine mögliche Große Erzählung der Gegenwart - ein gewagter Blick auf und in den Einband

16.30 Jeanne-Marie Kambu und Brigitte Demeure

Die Kolonialisierung und ihre Folgen am Beispiel der Lebensgeschichte einer afrikanischen Familie in Burkina Faso in der Mitte des 20. Jahrhunderts

17.30 Pause

17.45 Angela Moré

Einsamer nie“ oder „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!“ Warum wir die Bedeutung von Bindungen vergessen haben und wodurch sie wiederentdeckt wurde.
Eine kulturgeschichtlich-sozialpsychologische Analyse

18.45 Pause

19.00 Tilmann Moser

Vielfacher realer und seelischer Heimatverlust: Verwirrung und Zerrissenheit als Schicksal


20.30 Abend im "Spökenkieker"




Programm: Samstag, 05. April 2014 (Hotel Eickstädt (Smart-Hotel))

09.00 Florian Galler

Gruppenprozess und Aktienbörse 2009 - 2013

10.00 Merle Hilbk

Trauma und Traum. Russlanddeutsche auf der Suche nach Heimat und Identität in Deutschland

11.00 Pause

11.30 Goetz Steeger

Songs of Love and Freedom

12.30 Gemeinsames Mittagsbuffet Strandspaziergang


15.00 Anja Röhl

Bindungstheorie und NS-Säuglingspflege

16.00 Bernhard Wegener

Sklaverei, Leibeigenschaft und ihre modernen Ausprägungen

17.00 Pause


17.30 Roland Heinzel

Heimat – Geborgenheit im Ungewissen?

18.30 Plenum

Entwurzelung - Bindung - Transformation:
Wo befinden wir uns?



19.00 Mitgliederversammlung der GPPP


20.30 Abend "bei Lilo und Karl-Heinz"





Programm: Sonntag, 06. April 2014 (Hotel Eickstädt (Smart-Hotel))

09.00 Bernd Nielsen

Symbolische Maschinen: ein Netzwerk selbstgeschaffener Kunstwerke zur Wiederaneignung eines gentrifizierten Kurortes

10.00 Thomas Rudek

Mehr Demokratie als bisher wagen - Plädoyer für eine systemrelevante Transformation der repräsentativ-parlamentarischen Parteiendemokratie

11.00 Pause

11.15 Klaus-Jürgen Bruder

Verleugnung als Widerstand gegen Transformation: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

12.15 Julia Kansok-Dusche

Bindung, Entwurzelung und Transformation in Indien, Europa und im Denken Ashis Nandys

13.15 Plenum

Selber fühlen. Ungeteilte Empathie für sich selbst und die anderen als tragender Grund psychohistorischer Transformation


14.00 Abschluss






Verzeichnis der Referentinnen und Referenten

Bruder, Klaus-Jürgen, Prof. Dr., Studium der Psychologie, Soziologie und Politischen Wissenschaft; Psychoanalytiker; Professor FU Berlin, Studiengang Psychologie; Vorsitzender der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP); Klaus-Juergen.Bruder@FU-Berlin.de

Demeure, Brigitte, Dipl.-Historikerin und Dipl. der interkulturellen Verhandlung; Vorsitzende der Société Française de Psychohistoire; Doktorandin; Avignon brigittedemeure@yahoo.fr

Galler, Florian, Lic. oec. publ., Volkswirtschaftler, Wirtschafts- und Sozialgeschichte; Repräsentant des Institute of Psychohistory für die Schweiz; Herausgeber des Psychonomic Newsletter; Zürich; www.psychohistory.ch / floriangaller@bluewin.ch

Heinzel, Roland, Dr. med., Dipl.-Psych., Nervenarzt, Psychoanalytiker; Dozent am Jung-Institut Stuttgart; Dozent und Lehrtherapeut des C.I.P. (Centrum für integrative Psychotherapie); München; rolhei@t-online.de

Hilbk, Merle, freie Journalistin und Schriftstellerin; Reportagen Osteuropa, Bosnien; gibt Seminare für deutsche Kriegsenkel und russlanddeutsche Kriegskinder; Berlin; Merle_hilbk@t-online.de

Kambu, Jeanne-Marie, Dr. der Geschichte und Afrikanistin; Dozentin in Frankreich und in Burkina Faso; Mitglied des Vereins "Mouvement Burkinabé des Droits de l'Homme et des Peuples"; Paris

Kansok-Dusche, Julia, Dipl.-Psychologin; langjährige Erfahrung im Personalwesen (Europa, Indien, China); seit 2010 Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaft; demnächst Beginn eines Promotionsprojektes; Berlin/New Delhi

Moré, Angela, Prof. Dr., außerplanmäßige Professorin für Sozialpsychologie an der Leibniz Universität Hannover und Dozentin am Winnicott Institut Hannover; Gruppenanalytikerin, Mitbegründerin des Gruppenanalytischen Instituts GIGOS; Hannover a.more@sozpsy.uni-hannover.de

Moser,Tilmann, Studium der Literaturwissenschaft und Soziologie, journalistische Ausbildung; Psychoanalytiker; 1969-78 Dozent am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt;
seit 1978 private Praxis in Freiburg

Nielsen, Bernd, Ev. Theologe und Pastor; Doktorand (Dissertation als psychohistorische Studie); Vorsitzender
der GPPP; St. Peter-Ording;
kierkegor@aol.com

Röhl, Anja, Studium der Germanistik, Sonderpädagogik und Psychologie; freie Dozentin verschiedenster sozialpsychologischer Bereiche, Fachdozentin für Heilpädagogik; Kulturjournalistin, Buchautorin

Rudek, Thomas, Politikwissenschaftler; Privatisierungskritiker und Verfasser und Sprecher des bisher einzigen erfolgreichen Volksentscheids in Berlin; www.wasserbuerger.de / ThRudek@gmx.de

Steeger, Goetz, Musiker seit vielen Jahren von Avantgarde, Liedermacherei bis Punk, aktuell mit „User“; Zusammenarbeit u.a. als Produzent mit Franz Josef Degenhardt; regelmäßige Musikfeatures als freier Radioautor; Hamburg

Wegener, Bernhard, Drs., Psychologe, Theologe und Historiker sowie Lehrtherapeut in Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie; Klinischer Psychologe an der Berliner Vivantes-Klinik

 

Exposés und Kurzbiografien zur 28. Jahrestagung

Hinweise

Wissenschaftliche Leitung und Organisation

Bernd Nielsen

Waldstraße 39, 25826 St. Peter-Ording

E-Mail Kierkegor@aol.com

Tagungsort

Am Freitag: Evangelisches Gemeindehaus,

Olsdorfer Straße 19, 25826 St. Peter-Ording

Bahnstation Bad St. Peter-Süd

Am Samstag + Sonntag: Hotel Eickstädt (Smart-Hotel)

Waldstraße 11, 25826 St. Peter-Ording


Bahnstation Bad St. Peter-Ording


Hotels

Hotel Eickstaedt     [neben der Tagungsstätte]

Kathmeyer’s Landhaus Godewind    [ganz in der Nähe, Reetdachhaus]

Hotel Twilling - St. Peter-Ording     [in der Nähe, näher am Strand]


Teilnehmergebühren


bis 27.03.2014

Tageskasse

Nichtmitglieder

70,– €

80,– €

Mitglieder der GPPP

60,– €

70,– €

Ermäßigt*

30,– €

30,– €

Halbtagesblock
---

20,– €

Halbtagesblock (ermäßigt)
---

10,– €


*Ermäßigung für Studierende, Arbeitslose und Menschen mit geringem Einkommen

In der Teilnahmegebühr sind Pausengetränke und Teilverpflegung enthalten.

Der "Abend bei Lilo und Karl-Heinz" in Osterhever kostet 20,- € zusätzlich (regionales und internationales Büffet incl. Getränke), der Taxitransfer wird aus der Tagungsgebühr finanziert.

Anmeldung

Durch Überweisung der Tagungsgebühr bis spätestens 27.03.2014 auf das Konto »Deutsche Gesellschaft für Psychohistorische Forschung« – Sparkasse Heidelberg, Konto 4252578, BLZ 672 500 20, Kennwort: Tagung St. Peter-Ording 2014

sowie schriftliche Anmeldung bei

Bernd Nielsen

Waldstraße 39, 25826 St. Peter-Ording

E-Mail Kierkegor@aol.com


Komplettes Tagungsprogramm als pdf-Datei zum Download


Zertifizierung für Psychotherapeuten und Ärzte

Die Anerkennung der Tagung ist bei der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein sowie bei der Ärztekammer Schleswig-Holstein beantragt.



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Letzte Änderung am: 22. Dezember 2014 von A.Bischoff