Deutsche Gesellschaft für Psychohistorische Forschung

"Psychohistorie von Krieg und Terrorismus"

Herbsttagung, 3. Oktober 2004

Zürich

Um was geht es an der Tagung? Der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter schreibt in seinem Aufruf „Frieden kann es nur durch Humanisierung geben“ Folgendes zum Irakkrieg: „Der Irak-Krieg wurde nicht für die Sicherheit der Welt geführt, denn die atomare Bedrohung war ja gar nicht da, und den Terrorismus hat er nur verschärft. Eine Politik, die dem Terrorismus nur neuen Nährboden liefert, ist also das Gegenteil von Sicherheitspolitik…“ Nahe läge es seiner Meinung nach, „Sicherheit im Sinne Mandelas eher mit Verständigung, Annäherung, wechselseitiger Anteilnahme, Versöhnung, Einfühlung und Gemeinschaftlichkeit zu verbinden. Aber diese Vision von gemeinsamer Sicherheit setzt eine Stimmung von Zuversicht voraus, von Vertrauen in die Kraft zur Humanisierung des Zusammenlebens und in den eigenen Willen, sich für dieses Ziel persönlich zu engagieren. Der psychohistorische Ansatz in der Tradition des Amerikaners Lloyd DeMause, wie er an der Tagung vertreten wird, sieht die Gründe für das Fehlen von „Vertrauen in die Kraft zur Humanisierung“ in unbewussten Wünschen der Bevölkerung, die aus abgespaltenen Persönlichkeitsteilen stammen. Diese führen in den Bevölkerungen westlicher Länder zu Widerständen gegen Friedenspolitiken und zur Popularität von Politiken, welche den Terrorismus nähren. Dabei bringen sich die unbewussten Wünsche in Politik und Wirtschaft in einem zyklischen Gruppenprozess zum Ausdruck.

Programm

10.00 Ludwig Janus

Anthropologie und Psychohistorie menschlicher Gewaltbereitschaft

10.45 Winfried Kurth

Terrorismus, Krieg und soziale Degradierung als Ausagierung destruktiver Wünsche, die von vielen Menschen des Westens geteilt werden

11.15 Pause

11.45 Heinrich Reiss

Geboren 1914 – ein Sohn des Volkes

12.15 Mittagspause

14.15 Florian Galler

Die Legitimationskrise der Bush-Regierung im Jahr 2004, der amerikanische Gruppenprozess und die Aktienbörse. Über irrationale Präferenzen und Politiken.

14.45 Pause

15.15 Joseph Berghold

Globalisierung: Herausforderung, Ängste und Abwehrmechanismen

15.45 Schlussrunde

16.00 Ende der Tagung

16.15 Besprechung für Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Psychohistorischen Forschung zu der weiteren Entwicklung der Gesellschaft bis ca. 17:00 Uhr (auch Nicht-Mitglieder sind dazu eingeladen)

Hinweise

Tagungsgsort

Hotel Zürichberg, Orellistrasse 21, CH-8044 Zürich
Fon +41 1 268 3535, Fax +41 1 268 3545
Seminarraum Flamingo

Anreise und Lageplan Hotel Zürichberg

Information zur Tagung

A. & J. Bischoff, Friedhofweg 8, 69118 Heidelberg
Tel.: 06221 892729 Mo. - Fr. zwischen 8.00 und 9.00 Uhr
Fax: 06221 892730, E-mail: <info@psychohistorie.de>

Teilnehmergebühren

Fr. 30.— (an der Tageskasse zu bezahlen)

Anmeldung

bis 16.9.2004 bitte an Florian Galler, Steinhaldenstr. 68, 8002 Zürich, Tel. 01 202 16 25, E-Mail galler@webshuttle.ch

Verzeichnis der Referentinnen und Referenten

  • Josef Berghold, Doz. Dr. phil., Brandjochstrasse 3a/4, A-6020 Innsbruck
    Sozialpsychologe, Gastprofessor an der Universität Innsbruck, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychohistorische Forschung (DGPF)
  • Florian Galler, lic.oec.publ., Steinhaldenstrasse 68, 8002 Zürich
    Volkswirtschafter, Repräsentant des New Yorker Institute of Psychohistory für die Schweiz
  • Ludwig Janus, Dr. med., Köpfelweg 52, D-69118 Heidelberg
    Präsident der Internationalen Studiengemeinschaft für Pränatale und Perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM) und Mitglied verschiedener psychoanalytischer und psychotherapeutischer Fachgesellschaften
  • Winfried Kurth, Prof. Dr. rer. nat., Herzberger Landstrasse 85, D-37085 Göttingen
    Professur für Praktische Informatik / Grafische Systeme an der Technischen Universität Cottbus
  • Heinrich Reiss, Lehrer, Am Holzacker 178, D91126 Schwabach
    Studium an der pädagogischen Hochschule mit Schwerpunkt Kommunikationstheorie, Geschichte, Psychologie. Mitarbeit in den bundesdeutschen „Geschichtswerkstätten“, Mitglied des Arbeitskreis Gruppenfantasieanalyse der Deutschen Gesellschaft für psychohistorische Forschung..
  • Zusammenfassungen der Referate

    Josef Berghold

    Globalisierung: Herausforderung, Ängste und Abwehrmechanismen

    Das immer zügigere Zusammenwachsen unserer heutigen Welt geht einerseits mit marktwirtschaftsradikalen Globalisierungstrends einher, die eine akute Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und eine Eskalation sozialer Ängste mit sich bringen. Andererseits hat es auch eine Situation geschaffen, in der wir als ganze menschliche Gesellschaft im selben Boot sitzen und die daher einen tief greifenden Wandel notwendig macht: die Überwindung des Faustrechts der Starken, die Schaffung einer tragfähigen Grundlage von Solidarität und gemeinsamer Verantwortung für unseren klein gewordenen Planeten. Welche psychologischen Voraussetzungen wären für einen solchen Wandel entscheidend? Welche unbewussten Abwehrmechanismen richten sich (offensichtlich mit großer Hartnäckigkeit) dagegen?

    Florian Galler

    Die Legitimationskrise der Bush-Regierung im Jahr 2004, der amerikanische Gruppenprozess und die Aktienbörse. Über irrationale Präferenzen und Politiken.

    Die Akzeptanz der irrationalen Politiken und der ideologischen Grundlagen der amerikanischen Regierung nimmt während der Legitimationskrise ab. Dies beschränkt ihre Fähigkeit zum Ausagieren unbewusster traumatischer Gefühle der Bevölkerung von Angst, Wut und Scham z.B. mittels Krieg und Verletzung von Menschenrechten. Wegen der abnehmenden Fähigkeit des politischen Systems zum Ausagieren dieser traumatischen Gefühle verlagern sich diese in das wirtschaftlichen System. Dies widerspiegelt sich im Verlauf der Aktienbörse.

    Ludwig Janus

    Anthropologie und Psychohistorie menschlicher Gewaltbereitschaft

    Neue Ergebnisse der Evolutionsbiologie und der Entwicklungspsychologie erlauben neue Einsichten in die Wurzeln der menschlichen Gewaltbereitschaft. Bedeutsam ist dabei die evolutionsbedingte extreme Hilflosigkeit des menschlichen Säuglings, der deshalb auf quasi symbolische Kommunikation durch Mimik, Stimme und Blickkontakt angewiesen ist. Unsere Gruppen und Gesellschaften sind Ersatzcontainer, die unser seelisches Überleben sichern.

    Daraus ergeben sich Störbarkeiten und eine Überlebensangst und Gewaltbereitschaft, wie wir sie so bei Tieren nicht kennen. Die Psychohistorie der bisherigen Lösungen für diese Beziehungslabilität wird nachgezeichnet und Verständnismöglichkeiten, die sich hieraus für heutige politische Konfliktsituationen ergeben, werden aufgezeigt.

    Winfried Kurth

    Terrorismus, Krieg und soziale Degradierung als Ausagierung destruktiver Wünsche, die von vielen Menschen des Westens geteilt werden

    Mit Methoden der Gruppenfantasieanalyse wird aufgezeigt, dass sich im Irak-Krieg und in den vorangehenden Medienbotschaften, auch in Deutschland, destruktive Impulse manifestiert haben, die aus abgespaltenen Persönlichkeitsteilen herrühren. Diese Impulse liegen auch primär "strafenden" Maßnahmen in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ("Agenda 2010") zugrunde. Eine extreme Form des Ausagierens destruktiver Wünsche durch Delegierte ist schließlich der Terrorismus in seinen verschiedenen Varianten.

    Heinrich Reiss

    Geboren 1914 – ein Sohn des Volkes

    Eine Mikro-Studie entlang der biographischen Linie des Robert M., Schriftsetzer aus Nürnberg. Auf folgende Aspekte wird eingegangen: Kindheit und Jugend im Krieg und zum Krieg; linke und rechte Rebellen; Kampf und Kampfsport und Symbolkampf; der Vater in deutschen Arbeiterfamilien; Führer, Opfer und Bestrafung – religiöse Untergründe und die Risse am Riesen

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    Letzte Änderung am: 30. August 2004 von A.Bischoff